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Bildbeschreibung : Im Hintergrund sieht man eine Filterzigarette, die im Vordergrund durch ein x-förmiges, fettes, rotes Kreuz durchgestrichen wurde.


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no smoking

Gedanken eines werdenden Nichtrauchers



 

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02.09.2008
Wenn Zwei...

...das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Gleiche! Auch, wenn es eigentlich Dasselbe ist. Besonders dann, wenn die beiden miteinander verheiratet sind!

Blauer Dunst

„Wir sollten wirklich aufhören!“
– war von ungefähr der Stelle zu entnehmen, wo normalerweise der Kopf meiner Frau zu ruhen pflegt, wenn sie zu vorgerückter Abendstunde auf dem längeren Teil unserer gemütlichen Wohnzimmercouch liegt. Wenn sie ihren Kopf mit einigen Sofakissen unterlegt hat, kann sie aus dieser Position heraus bequem auf unseren Fernseher schauen.

Ich gönne ihr herzlich gerne diese Bequemlichkeit, auch wenn ich mich dafür, trotz erheblich größerer Körperlänge auf dem kleineren Teil der Couch zusammenkrümmen, und meinen Kopf auf dem linken Arm abstützen muss, damit ich den Bildschirm nicht um neunzig Grad verdreht sehe. Diese Liegeposition verhindert aber den direkten Blickkontakt zu meiner Frau. Aber es war ja auch niemand anders sonst im Raum.

„Du hast Recht. Die Programme werden sowieso immer miserabler!“ – entgegnete ich in der Überzeugung, sie hätte unseren leicht angestiegenen Fernsehkonsum angesprochen.

„Programme? Wieso Programme? Wir rauchen doch beide die gleiche Marke!“

Daher also wehte der Wind, oder besser der Dunst, der sich tatsächlich in leicht kräuselnden Rauchwolken über ihr zeigte.

„Du meinst, wir sollten das Rauchen aufhören?!“

„Ja, meine ich!“

„Schon wieder?“

„Was heißt ‚Schon wieder’? Ich hätte längst aufgehört, wenn Du mich nicht immer davon abhalten würdest.“

„Ich kann nicht erinnern, dass ich Dir jemals mit Gewalt eine brennende Zigarette zwischen die Zähne gesteckt, und Dich gezwungen hätte, diese zu rauchen!“

„Nein! Aber Du gibst mir keine faire Chance. Kannst du Dir vorstellen, dass ich aufhören kann, wenn Du paffend daneben sitzt?“

„Ich könnte es!“

„Ha! Dass ich nicht lache! Dann tu es doch, Du Angeber!“

„Ich will ja gar nicht aufhören. Mir macht Rauchen Spaß.“

„Es macht Dir Spaß, Deine Lunge zu verpesten? Von unserer Raumluft ganz abgesehen. Dein Geschmackssinn ist so verkümmert, dass Du nicht einmal eine Erdbeere von einer Currywurst unterscheiden kannst, Dein Auto stinkt wie ein fahrender Aschenbecher, Du hast Mundgeruch, Dein Blut sieht aus wie Altöl aus einem Traktor, morgens hustest Du erst einmal fünf Minuten, bevor Du ‚Guten Morgen’ sagen kannst, aber es macht Dir Spaß, wie?“

„– – –“

„Abgesehen davon, dass Du Monat für Monat ein Vermögen in die Luft pustest. Schon der Gedanke daran macht mich wahnsinnig. Aber meckern, wenn ich mir eine neue Bluse kaufe!“

„Du meinst also, nicht wir, sondern ich sollte aufhören, damit Du Dich jeden Monat neu einkleiden kannst?“

„Dreh mir nicht die Worte im Munde herum. Lass uns sachlich darüber reden!“


Rauchschwaden

Bildbeschreibung: Der Rauch einer Zigarette im Gegenlicht.


Dies Art „sachliche Gespräche“ hatten wir schon des öfteren geführt. Mit dem Ergebnis, dass wir immer entschieden hatten, baldmöglichst eine Entscheidung herbei zu führen. Nur nicht jetzt. Denn gerade jetzt ginge es nicht. Entweder, weil es gerade besonders gemütlich, oder weil noch genügend Vorrat im Hause war. Oder die berufliche Anspannung war im Moment nicht dazu angetan, sich den psychologischen Belastungen einer Entwöhnungskur auszusetzen. Denn dann braucht man den „Erwachsenen-Schnuller“ um sich zu beruhigen. Ausgenommen morgens beim Kaffee. Denn dann wirkt die genussvoll gerauchte Zigarette äußerst anregend. Oder je nach Stimmungslage. Im Winter ist sowieso die bessere Zeit, weil man da nicht so oft lüften kann. Im Sommer aber auch, weil man dann die frische Luft viel mehr genießen würde. Vom Gewohnheitsdrang ganz abgesehen. Und dann darf man nicht vergessen, dass alle entwöhnten Raucher unweigerlich zehn bis fünfzehn Kilogramm zunehmen. Also müsste das jetzt schon vorhandene Übergewicht erst abgespeckt werden. Und noch niemals hat irgend jemand eine Schlankheitskur ohne Zigaretten durchgestanden. Jedenfalls nicht, ohne ernst zu nehmende gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Natürlich könnte man auch diese Pillen nehmen, die einem angeblich das Rauchen dergestalt verleiden, dass einem nach dem ersten Zug aus der Morgen-Zigarette speiübel wird. Nur Idioten würden eine Zigarette anstecken, wenn sie diese Folgen befürchten müssten. Wie soll man also aufhören können, wenn man sowieso nicht rauchen würde. Weil ja auch keiner so genau weiß, wann genau die Übelkeit einsetzt, und so die peinlichsten Situationen entstehen könnten. Ganz willensschwache Menschen gehen zum Hypnotiseur, der einem im Tiefschlaf einredet, man sei der militanteste Nichtraucher, und zwar schon immer! Was habe ich davon, wenn mein Unterbewusstsein glaubt, ich sei den Zigaretten abhold, die Hände aber automatisch nach denselben und dem Feuerzeug greifen?

Denn genau genommen gibt es viel mehr Gründe für das Rauchen als dagegen. Denn da wäre eigentlich nur das Gesundheitsrisiko. Aber eben keine Gewissheit. Gewissheit habe ich aber, dass mir die Zigarette schmeckt. Bis auf den faden Geschmack im Munde hinterher. Und morgens beim Aufwachen, oder wenn man einen Raucher (oder Raucherin) küsst. Und rauchen macht nachweislich gesellig. Was habe ich schon für nette Gespräche selbst im tiefsten Winter auf den Balkonen und Terrassen netter, aber nichtrauchender Freunde geführt. Und vor allem bei diversen beruflichen Reisen in die USA, einem Land, dem wir zwar den Marlboro-Cowboy und den Duft der großen weiten Welt zu verdanken haben, das aber Raucher in einem Maße ausgrenzt, als wären sie Aussätzige. Niemals werde ich das Zusammengehörigkeitsgefühl vergessen, das unweigerlich die Menschen zusammenschweißt, die zu ihrem Laster stehen, und deshalb in diversen Speiselokalen in Nebenräume mit nackten Betonwänden, Papiertischdecken (wenn überhaupt) und billigen Klappstühlen verwiesen und nicht bedient werden.

 Fadenscheinige Ausreden 

Außerdem ist Aufhören viel leichter als Anfangen. Welcher Glimmstengel-Konsument wird sich nicht an seine erste Zigarette in jugendlichem Alter erinnern. Bei mir war es im Keller eines im Bau befindlichen Einfamilienhauses, einem Rohbau also. Nachdem die Bauarbeiter Feierabend gemacht, und wir das Anwesen noch mindestens eine halbe Stunde observiert hatten, schlichen wir mit klopfendem Herzen die frisch gemauerte Treppe hinunter, besetzten die Fenster, damit feindliche Beobachter entdeckt würden, und pafften die mit fadenscheinigen Ausreden gekauften Tabakröllchen. Ein herrliches Gefühl von Freiheit, wenn der erste Hustenanfall vorüber ist, der Magen sich restlos entleert hat und man gerade eben noch verhindern konnte, dass der normale Körperausgang sich selbstständig machte. Wenn dann noch das Schwindelgefühl nachließ, war es geradezu himmlisch. Und jetzt, nur 45 Jahre später sollte man aufgeben, wofür man so hart gekämpft hat? Dann ist auch der volkswirtschaftliche Schaden zu bedenken. Tausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel, und der Finanzminister würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er auf die Steuereinnahmen nur eines Rauchertages verzichten müsste. Und was soll der Blödsinn, dass man uns Raucher der Inkonsequenz zeiht? Natürlich könnte man den Sinn hinterfragen, wenn ein Süchtiger morgens eine Zigarette zum Anregen, und dreißig Minuten später im Berufsverkehr zur Beruhigung braucht. Und was macht die Regierung? Einerseits beschimpft sie uns als Schmarotzer, die nur die Krankenkassenkosten in die Höhe treiben, und andererseits fördern sie den Tabakanbau mit immensen Geldern aus Brüssel.


Raucherhand

Bildbeschreibung: Eine Hand mit Zigarette ragt aus einer Schrankschublade heraus.


Alle diese Argumente, und sicher noch einige mehr, sollte ich jetzt mit meiner Frau diskutieren. Sachlich! Ein Widerspruch in sich, denn sie erwartete garantiert, dass ich zuerst aufhören müsse, weil ja der Mann immer mit gutem Beispiel vorangeht. Von sachlicher Diskussion also keine Rede. Entweder wir versagten uns beide den blauen Dunst, oder keiner. Basta! Außerdem widerstrebt es mir, Entscheidungen von so weitreichender Bedeutung in einer Werbepause zu fällen. Hier musste mit analytischem Verstand vorgegangen, das Für und Wider sorgsam abgewogen, die Risiken bedacht und eine Kontrolle eingebaut werden. Vielleicht sollten wir damit beginnen, den täglichen Konsum einzuschränken. Möglicherweise die tägliche Ration morgens einteilen, und von Woche zu Woche verringern. Ähnliches hatten wir schon dahingehend versucht, dass wir uns vornahmen, nur noch auf der Terrasse oder, bei schlechtem Wetter in der Küche zu rauchen. Ausgenommen, es kommt Besuch. Denn den kann man ja schlecht auf die Terrasse schicken, und dann durften wir auch. Selten wurden von uns so viele Einladungen ausgesprochen, wie in dieser Zeit. Wir hatten es sogar soweit auf die Spitze getrieben, dass wir auch dann im Wohnzimmer rauchten, wenn unsere Gäste fanatische Nichtraucher waren. Und auch, wenn gar kein Besuch da war, aber durchaus hätte kommen können. Selbst, wenn wir konsequent gewesen wären, hätten wir mehr geraucht als vorher, weil wir in jeder, aber wirklich jeder Werbepause wie von der Tarantel gestochen aufsprangen und zu den in der Küche deponierten Glimmstengeln stürzten. Früher hatten wir eher hochgeistige Gespräche geführt oder waren einfach eingeschlafen. Zappen ist bei uns weniger üblich, denn bis wir aus den vielen Fernbedienungen, die auf dem Wohnzimmertisch herumlungern, die richtige gefunden haben, ist die Werbepause vorbei.

Aber all diese Gedanken änderten nichts am Wunsch meiner Frau, nämlich abstinent zu werden. Es galt also, das weitere Gespräch tatsächlich möglichst sachlich zu führen.

„Womit begründest Du Deinen Entschluss? Abgesehen von dem, was uns die Krankenkasse immer um die Ohren schlägt!“ – versuchte ich die Diskussion vorsichtig zu eröffnen.

„Kein besonderer Grund. Ich will schon lange aufhören!“

„Wie lange genau?“

„Eigentlich von Anfang an!“

„Von welchem Anfang redest Du?“

„Frag nicht so dumm! Seitdem ich angefangen habe zu rauchen natürlich!“

„Und wie lange ist das her?“

Es folgte eine kleine Denk- und Rechenpause.

„Nun, so rund 35 Jahre!“

„Und ausgerechnet jetzt musst Du aufhören? Warum gerade jetzt und nicht schon vor zwanzig Jahren?“

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Den Satz hatte sie auf irgend einer Motivationsveranstaltung aufgeschnappt.

„Und es ist Dir wirklich ernst?“

„Todernst!“

Ich griff nach beiden Schachteln, die auf dem Tisch lagen und schritt zur Tür.

„Wo willst Du damit hin?“ – wurde ich von ihr aufgehalten.

„Ich werde diese Restbestände entsorgen, und wir hören auf!“

„Was, jetzt?“

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Ich gebe zu, dass sich ein ziemlich mieses Grinsen auf meine Mundwinkel schlich.

„Aber die können wir doch noch fertig rauchen!“

„Und dann stehen wir vor dem selben Problem wie jetzt.“

„Aber auf die paar kommt es doch wirklich nicht an!“

„Genau. Denn immerhin hast Du in Deinem Leben schätzungsweise...“ – für die folgende Rechnung, nämlich 35 Jahre mal 365 Tage mal 15 Zigaretten erwies sich die Speicherkapazität meines Gehirns als zu klein, und ich benötigte einen Taschenrechner.

„...191.625 Zigaretten geraucht. Da kommt es auf die letzten sieben nicht mehr an!“

„Habe ich wirklich so viel geraucht?“

„Willst du selber nachrechnen?“

„Nein, wird schon stimmen.“

Mit diesen Worten klaubte sie ihre Schachtel aus meiner Hand, entnahm eine Zigarette und steckte sie an.

„Ich habe gedacht, wir reden erst einmal darüber, wie wir das anstellen.“

„Es gibt nur eine effektive Methode: Auf einen Schlag aufhören und die kommende Woche heile überstehen. Dann ist es geschafft.“

„Woher willst du das wissen?“

„Ich habe das schon einmal durchgezogen.“ – gab ich stolz zur Kenntnis, ohne die Folgen zu bedenken.

„Du hast schon einmal aufgehört?“

„Genau!“

„Also, anfangen ist schon ziemlich hirnrissig. Aber aufhören und dann wieder anfangen, das bringen nur Idioten fertig. Warum hast Du dann wieder angefangen?“

„Weil mir danach war!“

„Und mit so einem labilen Charakter an der Seite soll ich jetzt aufhören?“

„Du hast keine andere Wahl!“

„Ich weiß genau, wie das ausgeht. Wenn ich jetzt aufhöre, wirst Du heimlich weiterrauchen und ich habe das Nachsehen.“

„Wieso Nachsehen? Erstens habe ich schon einmal bewiesen, dass ich es kann, und immerhin bist Du es, die aufhören will. Ich würde ja nur aus Loyalität mitmachen.“

„Was heißt hier Loyalität? Bist Du Dir eigentlich darüber im Klaren, welches gesundheitliche Risiko Du eingehst? Meinst Du, ich höre jetzt auf und sehe zu, wie Du dich weiter zugrunde richtest? Und ich dich später pflegen muss, weil sie Dir beide Beine abgenommen haben? Da weht also der Wind her. Du willst mich zwingen aufzuhören, damit wenigstens einer gesund bleibt und sich dann plagen muss. Wie kann man nur so hinterhältig sein!“

„Darf ich dich erinnern, dass Du aufhören wolltest?“

„Es ist immer dasselbe. Du drehst mir das Wort im Munde herum. Schieb mal den Aschenbecher rüber!“

Sie quetschte ihre aufgerauchte Kippe zwischen die schon reichlich vorhandenen Indizien unseres Lasters.

„Jetzt schau Dir diese Schweinerei an. Es ist widerlich. Geradezu abstoßend. Jetzt halt Dir das mal unter die Nase! Das ist ja ekelhaft.“

„Ich weiß, wie ein voller Aschenbecher riecht. Also, was ist: Hören wir jetzt auf oder nicht?“

Keine Antwort. Nur Schweigen und ein trauriger Blick in die sich verflüchtigenden letzten Qualmwölkchen.

Dann, nach einigem Nachsinnen und mit steilen Falten auf der schönen Stirn:

„Das kann ich heute nicht entscheiden. Du hast es wieder mal geschafft, mich so aufzuregen, das ich nicht mehr richtig denken kann. Wir reden morgen.... nein, wir reden am Freitag darüber und am Wochenende ist Schluss. Endgültig. Und komm mir nicht wieder mit Ausreden!“

Recht hatte sie. Am Wochenende würden wir gemeinsam unsere letzte Zigarette rauchen und dann aufhören. Vielleicht sollten wir Vorträge halten über konsequentes Nichtrauchen. Immerhin haben wir auch eine Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber. Besonders denen, die nicht so entschlussfreudig und charakterfest sind und Hilfe brauchen.

Aber bis zum Wochenende ist ja noch so viel Zeit....!

Text: Erwin Grab, Horgau

Foto1: Dirk Baumgarten, galerie-der-fotos.de

Foto2: Photocase, unseen


Infobox:

Der Satiriker Erwin Grab schrieb den Artikel auf Basis realer Erfahrungen.

Zurzeit ist er laut eigener Aussage (als "immernocheinbisschenRaucher") zeitlich dahingehend gestresst, dass seine Frau auf einen Schlag mit der Sucht aufgehört hat, und sich im selben Moment zum militanten Nichtraucher entwickelt hat. Da er sie gerne in ihrer Entwöhnungsphase unterstützen möchte, ist er gezwungen, in seiner eigenen Wohnung "heimlich" zu rauchen und muss sich in den Keller, Waschküche, Garage, Balkon - je nach Wetter - verziehen. Aber so raucht er auch weniger, was (nach seinem eigenen Empfinden) nicht so schlecht ist.

Ich hoffe inständig, dass aus den Geschehnissen im Hause Grab keine ernsthafte Ehekrise entsteht.

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Bildbeschreibung : Im Hintergrund sieht man eine Filterzigarette, die im Vordergrund durch ein x-förmiges, fettes, rotes Kreuz durchgestrichen wurde.

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